Teile eines Interviews mit Dr. Mugford (weltweit anerkannter Hundefachmann). Das Interview wurde 1992 in "The Animal Behaviour Centre in Surrey geführt und erschien in der "Bull Terrier Gazette" vom Kynosverlag im selbigen Jahr:
[..] speziell Pit Bull Terrier - und hierzu gehören auch die verwandten Rassen wie Staff, Bull Terrier und jene anderen in der Vergangenheit entstandenen Rassen - sie alle sind Menschengegeüber nicht aggressiv. Selbst in Videos - in abstoßenden, abscheulichen Videos - die wir über Hundekämpfe gesehen haben - gibt es immer einen Menschen, den Schiedsrichter, während des Kampfes mitten unter den Hunden im Ring: er ist absolut sicher vor den Hunden, obwohl sich diese bemühen, sich gegenseitig umzubringen.
Unglücklicherweise gab es aber vor 2 oder 3 Jahren einen oder zwei durch die ganze Presse publizierte Fälle, bei denen ein Kind und eine Person verletzt wurden. Es gab einen besonders abscheulichen Fall in Lincoln, in den ich persönlich als Sachverständiger eingeschaltet war; hier haben tatsächlich Pit Bulls einen Menschen angegriffen [..] Und weil diese wenigen Angriffe so erschreckend waren, haben sie die öffentliche Hystserie ausgelöst, die dann hier in unserem Lande zu der Gesetzgebung führte. [..] ich glaube nicht, dass sich die Gesetzgebung dadrauf konzentrieren sollte, den Besitz irgendeiner Hunderasse einzuschränken.
Wir sollten keinesfalls gegen irgendwelche Hunderassen eine eigene Gesetzgebung einleiten, weil dies immer zu zahlreichen Fehlentwicklungen führen würde....
Was wir wirklich brauchen sind Züchter und Funktionäre in den Rassehundezuchtvereinen, die akzeptieren, dass schlechtes Wesen züchterisch bekämpft werden muss. [..]
Und wir sollten uns noch mehr darum bemühen,  die Hundebesitzer zu erziehen, das ist viel besser,  als sich mit einzelnen angeblich gefährlichen Rassen zu befassen, Hunderassen, in denen es ab und zu zu Fehlentwicklungen kommt, können wir nicht ausschalten.  Wir können auch keine Zusatzhundesteueren auferlegen, es erscheint unmöglich, den Besitzer eines Rottweilers höher zu besteuern als den Besitzer eines Pudels; wir können auch nicht verlangen, dass alle Angehörigen bestimmter Rassen mit Maulkörben versehen werden; aus tierschützerischen Gründen empfinde ich dies als außerordentlich unmenschlich. Was wir wirklich tun sollten, ist uns auf den Einzelfall zu konzentrieren. [...]
Das dringendste Problem im Augenblick liegt darin, dass die Medien, die Massenpresse wie TV, all jene kleinen Unglücksfälle, die sich irgendwo in der ganzen Welt ereignet haben, so in ihren Berichten darstellen, als ereigneten sich die Unglücke dieser Art tagtäglich in der eigenen Stadt.[...]  Unglücke dieser Art ereignen sich nicht fortwährend. Journalisten sollten ehrlich sagen, dass es sich um einen ganz außergewöhnlichen Fall handelt, dass er nur durch eine unglückliche Verknüftung verschiedener Umstände und falsche Behandlung des Hundes entstanden ist. Die Presse sollte offen erklären, was die Hintergründe eines solchen Unglücks waren..... [....]

Wir haben doch  mit Sicherheit in dieser Welt genügend schlechte Menschen, auf die wir unsere Aufmerksamkeit konzentrieren könnten, anstelle uns mit Hundeliebhabern und Hundebesitzern zu befassen, sie über Nacht zu Kriminellen abzustempeln.

 

Sind Kampfhunde lebende Zeitbomben?

 

von Dorit Urd Feddersen-Petersen am 11.02.2011

Der Begriff „Kampfhund“ ist in unsere Sprachkultur eingegangen. Aber was sind Kampfhunde? Häufig spricht man auch von Kampfhunderassen. In den Gesetzen der Bundesländer sind diese von vorn herein als gefährlicher eingestuft als andere Rassen. Das ist nie nachgewiesen worden und daher sehr problematisch. American Staffordshire Terrier, Tosa Inu, Bullterrier oder Pitbulls werden hier genannt.

Man kann über bestimmte Tendenzen sprechen, die anders sind unter den Rassen. Aber die Hunde verhalten sich nicht der Rasse nach. Das Verhalten, das ein Hund in einer bestimmten Situation zeigt, wird durch seine frühe Verhaltensentwicklung beeinflusst. Hat er Menschen kennengelernt, die ihm Positives vermittelt haben? Hat er eine Sozialisation erfahren, oder ist er sozial vernachlässigt? Wurde er erzogen? Oder wurde er trainiert, um anzugeben, um Menschen Angst zu machen? In einem bestimmten Milieu wurde mit diesen Hunden einige Zeit sehr viel Schindluder getrieben und sie wurden auf Imponieren und Kraft hin ausgebildet, um Menschen mit schwachem Ego Selbstsicherheit zu geben.

Das alles gehört zusammen: Die Genetik, die Entwicklung, die Erziehung und das, was Hunde erlebt haben. Die Genetik ist ein Angebot an die Umwelt. Und das, was die Hunde erlebt haben, kommt dazu. Hunde sind keine rein genetischen Wesen; insofern ist die „gefährliche Rasse“ unsinnig.
Ein Kampfhund ist für mich richtig definiert ein individueller Hund, egal welcher Rasse, mit dem in der Pit gekämpft wird – was bei uns verboten ist. Eine Kampfhunderasse kenne ich nicht, weil es kein Ziel einer Rassezucht ist, Hunde für Hundekämpfe fit zu machen.
Die Benennung finde ich falsch und irreführend. Und die Hunde, die gemeint sind, sind per se nicht gefährlicher als andere, sofern sie vernünftig erzogen und gehalten werden.

Quelle: http://www.swr.de/blog/1000antworten/antwort/8502/sind-kampfhunde-lebende-zeitbomben/

Kampfhunde sind keine Rasse

Flickr, BY-ND © Michael Panse

Auch nach rund 13 Jahren sorgt ein schlimmer Hundeangriff, der sich im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg ereignete, noch immer für bundesweite Schlagzeilen und neue Kampfhund-Debatten. Damals griffen auf einem Grundschulgelände ein Pitbull und ein Staffordshire Terrier eine Gruppe von Kindern an. Dabei biss der Pitbull einem sechsjährigen Jungen so stark, dass dieser wenig später verstarb.

 

Dieser Vorfall sorgte deutschlandweit für unzählige Debatten und Auflagen für Halter dieser Hunderassen. Doch was ist ein Kampfhund wirklich?

 

Kampfhunde – wer gehört dazu?

 

Im wissenschaftlichen Sinn sind die heute bekannten Hunderassen eigentlich gar keine Rassen, denn hierbei müssen genetische Unterschiede erkennbar sein. Jedoch gibt es keinen nachweisbaren Unterschied zwischen einem Pudel und einem Bullterrier.

 

Als Kampfhunde werden nachfolgende Rassen oder deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunderassen bezeichnet: American Staffordshire Terrier, American Pitbull Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier.

 

Je nach Bundesland werden zudem noch andere Hunderassen als potenziell gefährliche Rassen eingestuft, dies sind u. a. Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Bullmastiff, Mastiff und Rottweiler. Die Zucht und der Import der sogenannten "Kampfhunderassen" sind bundesweit verboten. In den einzelnen Bundesländern bestehen verschiedene Auflagen für Hund und Halter. So ist zum Beispiel der Rottweiler in Bayern als gefährlich eingestuft, in elf weiteren Bundesländern wird diese Rasse aber als ungefährlich angesehen. In Berlin gibt es ca. 150.000 Hunde, unter ihnen ca. 5.000 sogenannter Kampfhunde.

 

Als Kampfhunde werden allerdings nur die erstgenannten Hunderassen verstanden. Die Rasse American Pitbull Terrier ist zudem international gar nicht anerkannt. Auch ist eine Rassenzugehörigkeit von Mischlingen nur dann mit Sicherheit feststellbar, wenn die Elterntiere bekannt sind. Denn auch ein Mischling aus einem Labrador ähnelt einem American Staffordshire Terrier sehr. Die Rassenlisten einiger Bundesländer enthalten zudem auch noch Rassen, die es gar nicht gibt. Dies sind zum Beispiel der römische oder chinesische Kampfhund, oder auch der Bandog. Auch der Volksglaube, Kampfhunde seien besonders große Tiere, stimmt nicht. Denn alle Kampfhunderassen sind nur mittelgroß. So ist der Staffordshire Bullterrier in etwa genauso groß wie ein Pudel.

 

Kampfhunde wurden speziell für den Hundekampf gezüchtet

 

Früher galten Hundekämpfe als beliebte Volksbelustigung und boten für den Hundebesitzer eine ergiebige Geldquelle. Daher wurden für diesen Sport systematisch starke Hunde gezüchtet und für Kämpfe in der Arena (englisch Pit) ausgebildet. In den meisten Ländern wurden diese Kämpfe bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts verboten. Dadurch kam auch die Hundezucht dieser Rassen zum Erliegen und Pitbull & Co. werden seit über hundert Jahren als Begleit- und Familienhunde gehalten und geschätzt.

 

Auch die Behauptung, Kampfhunde würden über eine besonders große Beißkraft verfügen, kann widerlegt werden. Denn bisher gibt es überhaupt keine haltbare wissenschaftliche Messung über eine maximale Beißkraft von Hunden. Trotzdem machen Märchen über Bisskräfte von zwei oder gar mehr Tonnen die Runde. Denn würde ein Hund mit solch einer Kraft zubeißen, würde er sich dabei den Kiefer brechen. Experten gehen stattdessen davon aus, dass die Beißkraft der sogenannten Kampfhunderassen vergleichbar mit Hunden anderer Rassen bei gleicher Größe ist.

 

Das Kernargument der Hundeverordnungen und Hundegesetze, die Kampfhunde als besonders aggressiv einstufen, kann widerlegt werden: Denn Kampfhunde wurden auf Aggressivität gegen ihre eigenen Artgenossen erzogen – und nicht dem Menschen gegenüber.

 

Ein Hund erlernt den angemessenen Umgang und das Verhalten zu anderen Mitgliedern seines Sozialverbandes durch den Umgang mit denselben. Zwar verfügt jedes Individuum über eine genetische Grundausstattung, doch Verhaltensweisen werden ausschließlich durch den Sozialverband geprägt. So wird ein Hund niemals freundlich oder aber aggressiv geboren, sondern so erzogen. Bereits im frühen Welpenalter erzieht und prägt die Mutter, später erledigt dies der Hundehalter.

 

Etliche Statistiken und Analysen von Beißvorfällen bestätigen, dass keine der Kampfhunderassen besonders auffällig und aggressiv ist. Auffällig ist lediglich das Medieninteresse an allen Vorfällen, in denen Kampfhunde beteiligt sind.

 

So werden in den USA American Staffordshire Terrier bevorzugt als Therapiehunde ausgebildet. Denn diese müssen über eine hohe Aggressionsschwelle verfügen und auch bei bedrohlich wirkenden Verhalten friedlich reagieren. Und in England heißt der Staffordshire Bullterrier "nurse dog", was mit "Kindermädchen auf vier Pfoten" übersetzt werden kann.

Anstatt die Gefährlichkeit eines Hundes an dessen Rasse festzumachen, wäre es wesentlich sinnvoller, vor den tatsächlich gefährlichen Hunden und Haltern zu schützen – und das unabhängig von der Rasse.

Quelle: http://www.hamburg-magazin.de/service/beratung/artikel/detail/kampfhunde-sind-keine-rasse.html?artikel=17164